September 8, 2021

Über den Silicon Valley Mythos

Anarchische Hippies, die zu neoliberalem Glanz und Koffer voller Geld aufstiegen, Freiheit versprachen und letztlich uns alle verkauften.”

Adrian Daub, Literaturwissenschaftler in Stanford, streut in diesem Gespräch eine Tonne Salz in die offene Wunde von Deutschlands aktuellem Traum von mehr Wirtschaftswachstum nach dem Vorbild des Silicon Valley. Im Gespräch mit Wolfram Eilenberger beleuchtet er die Schatten der gängigen Narrative und blickt hinter den Spiegel der Wachstumsideologie. Uneingeschränkte Hör- bzw. Sehempfehlung.

Kaum jemand in Deutschland will es hören, aber hinter dem Spiegel verrottet das ehemals berühmt berüchtigte Vorbild der Digitalwirtschaft.

Wir können es besser machen. Dringend aufhören müssen wir jedoch damit, die ausbeutenden Strukturen & Methoden kopieren zu wollen. Ja, die Tech-Ideologie ist mächtig. Ja, sie hat es uns ermöglicht, neue Produkte auf neue und bessere Weise zu schaffen. Aber wir müssen die Ideologie an ihren Ergebnissen messen.

Der Valley Denkstil fusst auf der Illusion, dass Bequemlichkeit über allem steht. Für Bequemlichkeit setzen wir viel aufs Spiel. Mitunter unsere Freiheit & Zukunft. Aber wir leben in Zeiten, in denen wir uns Bequemlichkeit nicht leisten können. Wir müssen ehrgeiziger sein & darüber nachdenken, welche Zukunft wir wollen & wie wir sie erreichen können.

Wir brauchen neuen Fortschritt. Wir brauchen neue Prioritäten. Wir müssen uns davon verabschieden, die Bildungs-, Finanzierungs- und Innovationssysteme des Valley zu reproduzieren. Wir müssen häufiger nach dem Warum fragen und nicht nach dem Wie (und nach der finanziellen Rendite).

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September 8, 2021

Virtuality 1000CS

VirtualityVirtuality

Was wurde eigentlich aus der virtuellen Realität? Faustregel: Viele Dinge haben Potenzial und erreichen es, aber manche eben nicht.

Virtuality” war eine Reihe von Virtual-Reality-Spielgeräten, die von der Virtuality Group entwickelt wurden und in den frühen 1990er Jahren in Spielhallen zu finden waren. Die Geräte boten Echtzeitspiele (mit weniger als 50 ms Latenzzeit!) über einen stereoskopischen Visor, Joysticks und sie waren sogar Multiplayer fähig. Tut euch selbst einen Gefallen und sucht mal nach Dactyl Nightmare”, Grid Busters”, Hero” oder Legend Quest”.

The Virtuality 1000CS, 1991, Bild von Michael Skoglund⁠.

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September 3, 2021

Bierdosenkugeln — die größte Erfindung der Menschheit

GuinnessGuinness

Stellt Euch vor, es ist 1994 und ihr müsstet für die größte Erfindung seit den 1950ern stimmen. Was wäre eure Wahl?

Das Internet? E-Mail? Mobile Telefone?

Denkt daran, wir schreiben das Jahr 1994. Der 1. FC Kaiserslautern wird dieses Jahr Zweiter in der Bundesliga, Steve Jobs war noch bei NeXT, Jeff Bezos hat gerade cadabra in seiner Garage gelauncht und es wird noch vier Jahre dauern, bis Google das Licht der Welt erblickt. Damals gab es noch nicht mal Netscape und das Fax hat die Welt verbunden.

Vielleicht würdet ihr deswegen Computer, Herztransplantationen, das Klonen, die Mikrowelle, Kontaktlinsen, Videospiele, CDs oder die plastische Chirurgie in die engere Auswahl ziehen. Möglicherweise ginge eure Wahl auch an den Taschenfernseher (!) oder die Antibabypille.

Alle von ihnen wären eine gute Wahl. Und sie wurden auch 94 in einer Onlineumfrage von Wilkinson Sword und t3 dot co dot uk genannt. Immerhin 9000 Menschen beteiligten sich! Again: 1994 war Yahoo das Internet.

Doch am Ende hat nicht das Internet oder das Mobiltelefon gewonnen. Oder irgendeine andere #Sprunginnovation.

Mit stolzen 48% krönte sich zur größten Erfindung eine 1989 von Guinness für 5 Millionen Pfund entwickelte 3cm hohle Bierdosenkugel aus Plastik, die eine besonders cremige weiche Schaumkrone beim Ausgießen erzeugt! Ernsthaft. Der Floating Widget.

Die spinnen, die Briten mag man jetzt meinen. Nun. Ja. Aber irgendwie auch nicht. Denn es ist ein tolles Beispiel dafür, dass wir den Wert von Verbesserungen existierender Dinge sehr zu schätzen wissen, aber nicht den Wert von komplett neuen Dingen, die noch nicht ihren Weg in unser Leben gefunden haben. Denn genau das macht es jungen Technologien schwer: Wenn sie selbst noch keinen Markt haben, greifen wir lieber zum Altbewährten oder zu etwas Verbessertem, bevor wir eine völlig neue Generation kaufen (deswegen investiert #VentureCapital auch eher in Marktunsicherheiten als Technologierisiken, aber das ist eine andere Geschichte).

Klar. Die Teilnehmer damals haben sich vielleicht auch einfach einen Scherz erlaubt. Doch die Weisheit der Massen ist unfehlbar, richtig? Und würde man heute ne breite Umfrage starten, ob das Bier oder das Internet die wichtigere Erfindung gewesen ist, würde ich mein Geld aufs Bier setzen 🍺

#seriousresearch #innovation #erfindung #sprunginnovation #technologie

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June 22, 2021

Risikokapital in Europa

Risikokapital in EuropaRisikokapital in Europa

Ich hab ne gute Nachricht und ne schlechte auch. Zuerst die gute: Wir holen auf.

In den ersten 6 Monaten dieses Jahres wurden bereits über 40 Milliarden Euro #Risikokapital in europäische Startups investiert. Damit ist der Rekordwert von 43 Mrd. Euro aus dem Jahr 2020 nur noch 2-3 Megarunden entfernt.

Noch beeindruckender ist, dass bisher 2,7x weniger Deals stattfanden als im gesamten Vorjahr. Zudem erzielten hiesige Tech-Firmen deutlich größere Runden:

2020 ging die größte Runde mit €560M an CureVac, dicht gefolgt von Klarna (€548M), N26 Group (€523M), Deliveroo (522M), Revolut (512M), Northvolt (508M) und Viva Wallet (vivawallet.com)(500M).

2021 verzeichnet bereits jetzt eine 2,2 Mrd. Euro Runde von Northvolt, 1 Mrd. Euro gingen an Klarna, €838M an MessageBird, €822M an Celonis, €744M an Trade Republic und weitere 31 #Startups sammelten jeweils über €200M ein. Zudem gerüchtet es, dass Gorillas €820M+ demnächst verkündet. Es wird.

Insgesamt flossen 29 Mrd. Euro in diesem Jahr in 977 Unternehmen via #LaterStage Investments (71% des Gesamtvolumens). 2020 waren es nur 24 Mrd. Euro, die sich 1928 Unternehmen teilten (56% des Gesamtvolumens).

Ein Trend, der sich abzeichnete: Der Anteil von späten Runden am investierten Gesamtvolumen wuchs über die letzten Jahren konsequent.

Für die europäische Startup-Szene sind das erfreuliche Entwicklungen.

Doch hier kommt die schlechte Nachricht:

Auch wenn sich europäische Einhörner dank mehr Risikokapital, smarten Unternehmer:innen und erwachsenem Ökosystem wie Kaninchen vermehren, löst mehr Risikokapital nicht alle Probleme.

Im Gegenteil. Es schafft welche.

Als der Begriff Einhorn vor 8 Jahren geformt wurde, existieren kaum welche. 2021 sind es 712. Doch die wenigsten von Ihnen sind profitabel. Die meisten verlieren Geld. Sie sind angewiesen auf Risikokapital. Selbst wenn sie an die Börse gehen, sind die meisten unrentabel und bleiben es auch. Trotz all der Milliarden, die spät investiert wurden, um wie wild zu wachsen, schaffen es nur wenige, ein operativ nachhaltiges Geschäft zu entwickeln. Das ist durchaus besorgniserregend.

Daher: Viel hilft nicht immer viel. Besonders dann nicht, wenn Investoren nur an Wachstum, Skalierung, Dominanz und Moats interessiert sind. Denn sie wollen ihre Wette künstlich aufgeplustert sehen, um sie maximal teuer zu veräußern.

Klar, es ist mehr Geld auf dem Markt als jemals zuvor. Das bedeutet aber auch, dass viel Geld für mittelmäßige Ideen zu Verfügung steht, die sich teurer verkaufen als sie sind. Dazu stehen immer mehr Investoren an der Seitenlinie, die keine sind. Es sind Finanzjongleure, die an Finanzwetten und nicht an Lösungen für die Probleme unserer Welt interessiert sind.

So muss es aber nicht sein. Wir dürfen nicht auf die falschen Symptome optimieren. Wir müssen zur Seite treten und Alternativen suchen. Alternativen zum stumpfen Kopieren eines Systems, welches nach außen hin glamourös scheint, aber im Inneren bereits fault.

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June 9, 2021

Einhörner lieben diesen Trick

Stopfleber-Einhörner und Investoren lieben diesen Trick: Die Kundenakquise solange mit Risikokapital subventionieren und Wettbewerber aufkaufen, bis wir keine Alternative mehr haben.

Denn wenn es funktioniert, verspricht es hohe Renditen durch Monopolrenten. Auch weil üppiges Marketing bisweilen dafür sorgte, dass wir uns an die subventionierten Services gewöhnt haben:

🚕 Mit Uber oder Lyft günstig zum Flughafen?

🚴 Sich Essen kostenlos nach Hause liefern lassen?

🏠️ In einer Stadtvilla günstig übernachten?

🛴 Mal schnell den Roller für den Weg zur U-Bahn nehmen?

🦍 Oder sich nen Sixpack Bier innerhalb von 10 Minuten bringen lassen?

Alles kein Problem. Digitale Geschäftsmodelle machen es möglich. Die schöne neue urbane Welt der Gig-Economy ist nur ein Klick entfernt.

Nun. Überraschung! Die meisten haben es mitbekommen: Hinter den Spiegeln scheint die Welt nicht rosig. Denn in dem Moment, in dem das Geld ausgeht, sterben Einhörner einen schnellen Tod.

Kevin Roose hat in einem The New York Times Artikel zusammengetragen, was passiert: MoviePass (unbegrenzt Kinofilme schauen), Homejoy (Hausreinigung), Luxe (Parkservice), Beepi (Gebrauchtwagenverkauf und -lieferung) und Maple, Sprig, SpoonRocket, Munchery (Essenslieferung) — sie alle gingen in Konkurs, als das Geld für Subventionen ausblieb.

Andere hatten mehr Glück und überlebten. Doch was macht man, wenn man das Wachstumskapital verbrannt hat? Richtig. Man erhöht die Preise und erpresst damit indirekt den Kunden:

Die durchschnittliche Uber- und Lyft-Fahrt kostet 40% mehr als noch vor einem Jahr. Essenslieferungs-Apps wie DoorDash und Grubhub haben ihre Gebühren im vergangenen Jahr stetig erhöht. Der durchschnittliche Tagessatz einer Airbnb-Miete stieg in Q1/21 um 35% zum Vorjahr. Bird hat den Preis für seine Rollerfahrten von 15 Cent pro Minute auf 42 Cent erhöht plus eine Fixgebühr von $1 eingeführt.

Ähnliches haben wir in Deutschland erlebt: Lange Zeit subventionierte Zalando SE den Versand. Sharing Mobility war und ist ein einziger subventionierter Preiskampf. Gorillas lieferte kostenlos einzelne Bierflaschen in wenigen Minuten. Und egal ob Foodbox, Hemdreinigung oder Wein-Subscription — wir alle hatten schon 20€ Gutscheine in der Hand und erlagen der Versuchung.

Zugegeben, es ist bequem und wir frönen einem Lifestyle, den sich vor 50 Jahren nur Superreiche gönnten. Es ist schwer Nein zu sagen, wenn VCs einem einen Service sponsern.

Doch es ist richtig und wichtig zu diskutieren, welchen Wert Stopfleber-Startups in die Welt bringen und zu hinterfragen, ob man sich politisch mit Einhörnern schmücken sollte, die ohne eine Ausbeutung des Niedriglohnsektor nicht überleben könnten.

Letztlich haben wir es in der Hand: Gehen wir die Preiserhöhung mit oder lassen wir es. Letzteres wäre ein Statement. Aber eben auch mit großen wirtschaftlichen und individuellen Verlusten in der Breite verbunden.

Risikokapital Stopfleber Startups Unicorns Einhörner Subvention Venture Capital
June 1, 2021

Cracking the human code

Präsident Clinton, Craig Venter und Francis CollinsPräsident Clinton, Craig Venter und Francis Collins

Bis gestern ging ich davon aus, dass wir das menschliche Genom vollständig entschlüsselt hätten 🧬 Glücklicherweise wurde ich eines Besseren belehrt.

Doch spulen wir zunächst 20 Jahre zurück: Im Sommer 2000 verkündete Präsident Bill Clinton wortgewaltig, dass wir heute die Sprache lernen, mit der Gott das Leben erschaffen hat”. Damit eröffnete er eine Pressekonferenz, in der er die Früchte des Humangenomprojekts vorstellte, welches tatsächlich die Welt verändern sollte.

Doch wie es mit der Wissenschaft so ist: All die Jahre konnten wir die Sprache Gottes nur teilweise lesen. Denn ein paar Bits fehlten. Nicht viele, aber immerhin 200m DNA-Buchstaben und mehr als 2000 Gene. Knapp 8% des Genoms.

Dank fortschrittlicher Technologie und neuer Datenanalytik kommen wir aber heute einer hundertprozentigen Sequenzierung sehr nahe.

Das Humangenomprojekt ist ein Paradebeispiel für staatlich-geförderte #Sprunginnovation. Gestartet 1990, begann es als große wissenschaftliche Zusammenarbeit, welche sich schleichend zu einem stimulierenden Wettbewerb zwischen zwei Männern entwickelte.

Craig Venter, ein Mix aus Wissenschaftler & protzigem BioTech-Unternehmer, und Francis Collins, als Leiter des Humangenomprojekt eher Typ angestaubter Verwaltungsmitarbeiter, lieferten sich bisweilen sogar eine öffentliche Ego-Schlammschlacht.

Doch irgendwann reichte es Bill Clinton und er wies an, die Jungs dazu zu bringen, endlich zusammenzuarbeiten”. Bei Pizza und Bier einigte man sich schließlich, die Lorbeeren für den wichtigsten biologischen Datensatz der Welt zu teilen, um den Präsidenten nicht zu vergraulen.

Um nichts zu verspielen und Opfer einer neuen Laune zu werden, hostete Clinton darauf eine Zeremonie im Weißen Haus, bei der Collins und Venter die Ergebnisse des Humangenomprojekts mit der Öffentlichkeit teilten und ihren Durchbruch verkündeten.

Die Zeremonie zeigte Wirkung. Sie erschütterte die Welt und ordnete unseren Denkstil sowie Zukunft neu. Mit fast $3 Mrd. erschloss man ein neues Level. Zudem schuf man fruchtbaren Boden, der in den folgenden Jahren viele komplementäre transformative Innovationen gedeihen ließ. Ein Erfolg auf ganzer Linie.

Nicht ganz. Denn rückblickend hat das Lesen des Codes uns nicht viel genützt. Allen Hoffnungen zum Trotz konnte Krankheit durch Lesen allein geheilt werden. Erst das Schreiben des Codes sollte die Welt verändern.

So ist aber das Wesen der Wissenschaft. Man weiß nie, welche Welt sich hinter dem nächsten Experiment verbirgt. Erst, wenn man die Tür aufstößt, erahnt man die Weiten.

Sprunginnovation DNA Genome Sequencing Denkstil Leitbild Mindset History of Science
May 26, 2021

Nachwehen: Was nützt ein neugeborenes Baby?

Michael FaradayMichael Faraday

Es gibt dutzende Geschichten über Entdeckungen, die lange ruhten, bevor sie die Welt veränderten.

Eine der bekanntesten Anekdoten ist sicherlich die von Michael Faraday, der mit seinen Entdeckungen rund um die elektromagnetische Induktion den Grundstein für die Entfaltung der Elektroindustrie legte.

Im Jahr 1821 wandte sich Faraday der Elektrizität & dem Magnetismus zu. Das Resultat: ein Elektromotor-Prototyp. 10 Jahre später fand er heraus, dass ein Magnet, der sich in einer Drahtspule bewegt, Elektrizität induziert.

Diesen rudimentären Generator präsentiere Faraday dem britischen Premierminister (⚠️ urban myth ⚠️), der interessiert fragte: Wozu ist das gut?” Faraday antwortete, wie Benjamin Franklin fast 50 Jahre vor ihm: Was nützt ein neugeborenes Baby?” In einer alternativen Geschichtsschreibung antwortete er spitz: Sie werden es bald besteuern können”.

Es sollten allerdings noch weitere fünfzig Jahre vergehen, bevor die elektrische Energie die Welt veränderte. Doch Faradays neugeborenes Baby wuchs genauso zu einem Giganten, wie die von Franklin beobachteten Ballons. Solange die Anwendung einer Entdeckung nicht klar und präsent ist, bleibt sie zweifelhaft in ihrem Wert.

Daher merkt Euch: Selbst die schlauesten Menschen der Welt können nicht immer beurteilen, was nützlich ist und was nicht.

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May 25, 2021

Was ist schon eine halbe Milliarde?

Wer stopft, muss auch abnehmen: Noom Inc. – im Grunde eine App zur Gewichtskontrolle — hat 540M USD an Growth Capital in einer Series F eingesammelt 🤯

Offiziell ist Noom natürlich mehr als nur eine Diät-App: Man versteht sich als Tech-Unternehmen und Entwickler einer Gesundheitsplattform für intelligentes Ernährungs- und Bewegungscoaching 🏋️

Gut, man hat man 2020 einen Umsatz von 400M USD generiert — doppelt so viel wie im Vorjahr. Außerdem ist Fettleibigkeit in Industrienationen ein echtes Problem, die App hat 45M Downloads und Nutzer*innen scheinen glücklich mit dem Service. Das alles spricht erstmal gegen das Zertifikat Stopfleber-Startup 🤑

Doch rechtfertigen die Zahlen eine Bewertung von 3,7 Mrd USD — das 1,5-fache von WW (formerly Weight Watchers) — und einen potentiellen Börsengang mit einer angestrebten Bewertung von 10 Mrd US-Dollar? Falls ja, scheint die $500M Kasinokapitalismus Growth-Finanzwette gut angelegt 💸

Klar, man kann hohe Wagniskapitalrunden als Ausdruck vergangener Erfolge sehen. Natürlich kann man auch argumentieren, dass sie zukünftige Aufgaben und Möglichkeiten bewerten. Aber spielt das wirklich eine Rolle, sobald man die Grenze von einer halben Milliarde Dollar pro Runde überschritten hat 🤪 🎰

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May 19, 2021

Einst Omen, heute Innovation

Max PlanckMax Planck

Was wäre, wenn gewisse Innovationen sich nur zu gewissen Punkten in der Geschichte durchsetzen können?

Unser Denken fußt auf geteilten Denkmustern. Wir sehen den Himmel nicht so, wie die alten Griechen ihn sahen. Krank sein bedeutet heute etwas anderes als im Mittelalter. Der Fussball vor Tiki-Taka war ein anderer. Und es soll sogar eine Welt vor dem Internet gegeben haben 🤨

Für uns ist es unmöglich, in vergangene Paradigmen einzutauchen und die Welt bspw. mit Wikingeraugen zu betrachten. Doch wir alle kennen Personen, die Dinge zur ihrer Zeit anders sahen: Leonardo baute Fluggeräte, Tesla glaubte an drahtlose Energieübertragung, Fritts baute 1883 die erste Solarzelle & Doug Evans erfand 2013 den Juicero.

Viele Ideen & Erfindungen bleiben Unfug oder Kuriosität, egal in welcher Zeit—sorry Doug. Doch bisweilen verhindert das Paradigma das volle Potential. Mitunter ist die Welt noch nicht bereit.

Wir wissen das, denn die Geschichte gibt einigen glücklichen Narren recht. Nachdem Technologien konvergieren, Verbrauchertrends sich ändern oder Märkte sich verschieben, wird das Unmögliche möglich.

Waren sich die Erfinder dessen bewusst? Wohl kaum. Zwar ist rückblickend alles absurd einfach nachzuzeichnen. Aber zu wissen, welche Dynamiken ein Paradigma erlaubt, bleibt eine Kunst.

Denkstil Paradigma Innovation Erfindung Invention History of Science
May 13, 2021

Die Angst vor dem Ungetüm im Ballon

Der Dämon im BallonDer Dämon im Ballon

Im Spätsommer 1783 sahen mehr als 50.000 Pariser erstmalig einen großen Ballon in die Luft steigen. Ein Schauspiel sondergleichen.

Für uns ist es unmöglich nachzuvollziehen, was die Zuschauer damals fühlten. Wahrscheinlich müsste spontan morgen eine Passagierrakete vom Alexanderplatz ins Weltall starten und dort wieder landen, um eine vergleichbare positive Ehrfurcht zu erleben.

Doch nicht alle Franzosen teilten den himmelhoch jauchzenden Enthusiasmus. Als der Ballon im Umland niederging, reagierten die betroffenen Bauern mit Angst und Schrecken. Sie nahmen an, dass sich in dem Höllengerät ein teufliches Tier befand und griffen den Ballon mit Steinen und Messern an.

Die Befürchtung stellte sich zum Glück als unbegründet heraus und die fürchterliche” Erfindung fruchtete langfristig in weitreichenden positiven Veränderungen. Auch für die Bauen. Großes entsteht aus kleinen Ursprüngen. Denn mit dem sich nun rasch verändernden Transportwesen fanden die Produkte der Bauern ihren Weg in die Welt.

Merke: Disruption ist kaum zu antizipieren. Besonders im Ursprung. Denn es kommt immer anders, als man denkt. Seid daher gewarnt vor prophetischen Scharlatanen. Das einzige was sie schüren, ist die Angst vor der Veränderung. Die Angst vor dem Ungetüm im Ballon.

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