February 23, 2020

Als Jennifer Lopez und Versace Google Image Search erfanden

Im Jahr 2000 war Jennifer Lopez auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Dementsprechend spektakulär war ihr Auftritt im am 23. Februar bei den Grammy Awards. Sie trug ein tiefausgeschnittenes Dschungelkleid von Versace, welches für gehörigen Wirbel sorgte. Und alle die es vor Ort oder am TV verpasst hatten, suchten im Internet nach Bildern des Kleides. Dabei war die Häufigkeit der Suche so gewaltig, dass das zwei Jahre alte Startup Google kurzerhand beschloss ein Bildersuch-Feature zu priorisieren. Selbst 19 Jahre danach suchten Leute immer noch nach dem Bild. Versace, Google und Jennifer Lopez nutzen diese Erkenntnis, um im September 2019 ein viel beachtetes Revival während Versace’s S/S 2020 Show auf der Milan Fashion Week zu feiern.

Nachdem man bei Google einen Produktmanager fand, wurde an dem Service gearbeitet. Im Juli 2001 wurde Google Image Search gelauncht. Der Service veränderte die Modebranche fundamental (und natürlich auch die Welt). Man musste keine teuren Magazine mehr kaufen, die exklusiv berichteten. Jeder, der Google bedienen konnte, hatte nun die Möglichkeit Veranstaltungen nachträglich beizuwohnen. Ist es nicht beruhigend zu wissen, dass ein Kleid für eines der wichtigsten Internetfeatures überhaupt verantwortlich ist?

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February 19, 2020

Photoshop feiert dreißigsten Geburtstag

Heute feiert Photoshop den dreißigsten Geburtstag, denn am 19. Februar 1990 präsentierte Adobe Systems das Programm erstmalig einem größeren Publikum.

Die geistigen Väter waren die Brüder Thomas und John Knoll. Der ältere Thomas entwickelte in den späten 80ern ein Programm, das gescannte Dias in Grauwerten auf den Mac brachte. John ermutigte Thomas zur Weiterentwicklung. Auch, weil er das Programm als VFX-Artist für den Film The Abyss einsetze, an dem er für seinen Arbeitgeber Industrial Light & Magic werkelte. Das deutlich verbesserte Programm nannten sie Display“ und verkauften davon 200 Kopien an die Firma Barneyscan, die es unter dem Namen Image Pro“ im Bundle mit Dia-Scannern vertrieb.

Photoshop 1.0.7, 1990Photoshop 1.0.7, 1990

1988 entdeckte Adobe das Produkt. Nach einer Vorführung im September wurde die Übernahme per Handschlag besiegelt. Die Brüder arbeiteten fortan bei Adobe am Projekt Photoshop“. Im Februar 1990 wurde Photoshop S1.0 von Adobe exklusiv für den Apple Macintosh veröffentlicht. Das Programm passte auf eine 800-Kilobyte-Diskette, hatte 127.000 Lines of Code und kostete im Verkauf 895 US-Dollar. Es widmete sich vor allem an Besitzer von Bild- und Dia-Scanner, die ihre Bilder digitalisieren wollten.

In wenigen Jahren wurde Photoshop zum Marktführer, Industriestandard und erhielt einen eigenen Eintrag im englischen sowie deutschen Wörterbuch. Mehr kann man sich als Unternehmen nicht erhoffen. Heute steht Adobe, unter anderem auch wegen Photoshop, besser da als je zuvor. Früh entschied man sich auf die Cloud und auf ein Abo-Modell zu setzen, was sich als die richtige Strategie herausstellte. Die Marktkapitalisierung von Adobe liegt gegenwärtig bei 186 Milliarden US-Dollar.

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February 18, 2020

Tesla disruptiert Supply Chain

In Japan hat man ein Tesla Model 3 zerlegt und zwei eigenständig entwickelte KI Chips gefunden, die die Konkurrenz extrem beunruhigen. Denn diese ist laut Experten circa 6 Jahre im Rückstand.

Warum? In den Produkten der großen Autohersteller finden sich dutzende miteinander verbundene Steuergeräte. Im Tesla Model 3 hingegen ersetzen die KI Chips viele Funktionen. Das System reduziert die Anzahl drastisch. Das perfide daran: Tesla spart nicht nur Produktionskosten sondern disruptiert” hiermit auch das klassische Supply-Chain-Modell. Tesla kommt ohne die typischen gewaltigen Zuliefererketten aus. Ein Novum.

Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die traditionellen Hersteller sehr wahrscheinlich nachziehen. Ein Umstieg würde bei den Autobauern aber zu großen Verwerfungen mit den Zulieferern führen.

Schlechte Nachrichten für das Land, in dem große Teile der Wirtschaft aus Zulieferern für Autobauer bestehen. Kaum ein OEM wird sich trauen die eigene Zulieferkette radikal zu ändern. Und Tesla zu kaufen ist derzeit auch keine Option. Durchaus ein Dilemma.

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February 17, 2020

Was kommt nach dem Telefonkabel?

Innovationen entstehen selten innerhalb von Wochen oder Monaten. Eher vergehen Jahrzehnte, bis sie ihren Weg in die Breite finden.

Als diese Telefonleitung in unserem Garten vergraben wurde, ist Fidel Castro in Kuba an die Macht gekommen. Ungefähr zur gleichen Zeit floh der Dalai Lama ins indische Exil, Mattel stellte die allererste Barbie-Puppe vor und Eintracht Frankfurt wurde Deutscher Fußballmeister.

Erdkabel unter Trassensteinen der Deutschen Bundespost, verlegt 1959Erdkabel unter Trassensteinen der Deutschen Bundespost, verlegt 1959

Niemand hat auch nur einen Gedanken daran verschwendet, dass durch das Kabel unzählige Nullen und Einsen laufen, die HD Content Streaming, Internet, Social Media und andere Spielereien ermöglichen. Auch wenn Infrastrukturen extrem langweilig erscheinen mögen, ermöglichen nur reife Infrastrukturen Teilhabe in der Breite und schaffen eine Plattform für komplementäre Produkte, Services oder Technologien, die zu Beginn der Installationsphase völlig unbekannt waren.

Unsere Telefonleitung verband damals ein Wochenendhaus mit der Außenwelt. Es war ein kostspieliges Luxusgut. Heute ist fast jeder Erwachsene auf dieser Welt durch Smartphones mit dem Internet verbunden.

Die wichtige Frage lautet daher: Was kommt als Nächstes? Und braucht man dafür die Leittechnologien, die Leitmärkte und Leitindustrien der Vergangenheit oder setzt das neue Paradigma auf etwas komplett Neuem auf?

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February 6, 2020

Not invented here

Wie lange es dauert, bis ein Teil der Welt die nützlichen Ideen eines anderen Teils übernimmt, nimmt einen wunder und ist unerklärlich. Diese Form der Dummheit ist auf keine Gemeinschaft, keine Nation beschränkt; sie ist universell. Tatsache ist, dass die Menschen nicht nur sehr lange brauchen, bis sie nützliche Ideen übernehmen — manchmal beharren sie auch hartnäckig darauf, sie ganz zu verschmähen.

Mark Twain: Europe and Elsewhere, New York 1923.

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