September 10, 2020

Widerstand

A 1923 prediction of the horror and inconvenience that would occur if anyone invented a mobile phoneA 1923 prediction of the horror and inconvenience that would occur if anyone invented a mobile phone

Innovation hat immer Feinde. Getrieben von Sicherheitsbedürfnissen, Eigeninteresse oder der Angst vor Machtverlust klappern Innovationsgegner lautstark mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Fahrräder galten als jugendgefährdend, weil sie den Nachwuchs vom Lernen und von Büchern ablenken würden. Sanitäranlagen hielt man für Zeitverschwendung. Geburtshelfer sprachen sich gegen die Anästhesie aus. Taxifahrer in London wetterten gegen Regenschirme. Der Pferdeverband von Amerika ging gegen den Traktor vor Gericht. Der Kühlschrank ließ die Natürliche Eis-Industrie” schlecht schlafen. Das Telefon sollte angeblich das Privatleben zerstören, es grassierte die Telephonitis. Ja, selbst Alexander Graham Bell fand sie seien ein Ärgernis. Bundeskanzler Helmut Schmidt ließ die Verkabelung von elf deutschen Großstädten stoppen, weil privates Fernsehen gefährlicher sei als Kernenergie. Und um das alles zu toppen: Sogar gegen Reißverschlüsse sträubte man, denn sie erleichterten das Ausziehen. Eine Sünde.

Auch wenn Innovation willkommen ist, findet sich immer jemand, der sie dämonisiert. Feindseligkeit & Widerstand gehören zur ihrer Natur. Der Widerstand gegen Veränderungen ist seit jeher fest im menschlichen Gehirn verdrahtet. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten, wenn man an etwas Neuem arbeiten.

Invention Widerstand innovation
September 8, 2020

Eisenbahnunfall am Gare Montparnasse

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Innovation Invention BigTech Infrastruktur innovation
September 7, 2020

Innovation beruht auf Trial & Error Prozessen

Amazon hat eine unglaubliche Erfolgsbilanz. Klar, das Fire Phone war ein Totalausfall. Aber AWS, Fire TV, Logistik etc sind Kassenschlager. Sie bescheren Amazon eine bessere Wertgenerierung als die meisten VC-Fonds.

Zugegeben: niedrige Kapitalkosten + Skalierungsmöglichkeiten + stabiles Kerngeschäft = Freiheit für große Sprünge plus Fähigkeit unvermeidliche Misserfolge auf dem Weg zu amortisieren. Der Teufel scheisst immer auf den größten Haufen. Aber das Recht hat sich Amazon verdient.

Wenn man kein Risiko eingeht, bleibt einem oft nur die Kapitulation. Erfolg wird durch Fortschritt ermöglicht. Und Fortschritt erzeugt man durch Trial & Error Prozesse. Experimente gebären Neues, können aber auch scheitern.

Fehlertoleranz ist zwingend innovationskritisch. Man muss rausgehen, sehen, was funktioniert, die Misserfolge verwerfen und auf den Erfolgen aufbauen. Man weiß erst ob man einen Hit gelandet hat, wenn der Song im Radio gespielt wird. Wer am meisten kreiert, hinterlässt oft den stärksten Eindruck. Denn die Wahrscheinlichkeit, eine einflussreiche oder erfolgreiche Idee hervorzubringen, steigt mit der Gesamtzahl der produzierten Ideen. Iteration bedeutet mehr Varianten, mehr Perspektiven und eine größere Chance auf Originalität und Innovation. (Bild: Doc Searls)

Innovation Experiment Fehlertoleranz innovation
September 3, 2020

Nebeneffekte sind oftmals genauso wichtig wie das Ziel

Many of CERN’s founders gathered for the Third Session of the provisional CERN Council in Amsterdam on 4 October 1952Many of CERN’s founders gathered for the Third Session of the provisional CERN Council in Amsterdam on 4 October 1952

Charakteristisch für technisch-wirtschaftliche Großprojekte ist, dass Nebenwirkungen und -effekte, die zur Erreichung des Ziels angestrebt werden, fast so wichtig sind wie der eigentliche Zweck.

Das CERN hat zB. nicht nur die Kernforschung verändert. Durch die hohen wissenschaftlich-technischen Anforderungen wurden eine Fülle von neuen Entdeckungen auf den verschiedensten Gebieten angeregt. So mussten erst grundlegende Hindernisse in der Metallurgie oder der Landvermessung überwunden werden, um das perfekte Rund des Teilchenbeschleunigers zu ermöglichen. Und ohne den Drang von Tim Berners Lee, den Datenaustausch und die Aktualisierung von Informationen zw. Wissenschaftlern zu vereinfachen, hätten wir heute kein World Wide Web.

Oftmals bedeutsamer als die Ernte technologischer Nebenprodukte ist aber das Entstehen einer offenen-vorwärtsgerichteten Mentalität. Das CERN reiht sich dabei nahtlos ein in die Reihe der wichtigsten Forschungszentren unserer Zeit. Die Royal Society of London, das Edison-Labor, die Bell Laboratories, Xerox PARC oder das OSRD trieben nicht nur Produkte, sondern auch Geisteshaltungen. Der dort jeweils geprägte Denkstil wies weiter und beeinflusste das Kommende letztlich tiefer, als es die sichtbaren Produkte vermochten. (Bild: CERN)

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August 31, 2020

Listerine

Image from “The Saturday evening post”Image from “The Saturday evening post”

Innovation ist weniger zielgerichtet und geplant, als man denkt. Viele Durchbrüche beruhen auf Variationen im Design, im Marketing oder im Geschäftsmodell.

Ein Beispiel dafür ist Listerine, benannt nach Joseph Lister, dem Vater der modernen Chirurgie. Listers Forschungen machten die Chirurgie sicherer, weil die Gefahr von postoperativen Infektionen sank. Er setzte sich für die Verwendung von Karbolsäure als Antiseptikum ein, welches das erste verbreitete Antiseptikum wurde. Mit steigendem Wissen über Keime wuchs in der viktorianischen Bevölkerung das Sauberkeitsbedürfnis. Der Markt wurde von karbolsäurehaltigen Reinigungsmitteln und Hygieneartikeln überschwemmt.

Listerine war eines davon. Es wurde 1879 vom Chemiker Dr. Joseph Lawrence entwickelt. Lawrence lauschte einem Lister-Vortrag und begann danach in einer alten Zigarrenfabrik eine Antiseptikum-Produktion. Der Erfolg blieb leider aus. Bis er 1881 den Apotheker Jordan W. Lambert kennenlernte. Lambert kaufte ihm Markenrecht & Rezeptur ab und vermarktete Listerine als vielseitig verwendbares Antiseptikum, u.a. als Bodenreiniger sowie als Heilmittel gegen Gonorrhöe. 1895 kam Lawrence dann auf die Idee, Listerine als antibakterielle Mundspülung an Zahnärzte zu vertreiben. Der Rest ist Geschichte.

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August 27, 2020

Fritz Haber und Carl Bosch

Fritz Haber und Carl BoschFritz Haber und Carl Bosch

Das von Fritz Haber und Carl Bosch (feiert heute Geburtstag) entwickelte großindustrielle Verfahren zur Synthese von Ammoniak hält unsere Welt am Leben. Oft erzählt wird die Legende vom erleuchteten Forscher Haber und dem ausgebufften Geschäftsmann Bosch, der das Potential erschloss. Doch die Heldenerzählung hinkt. Es ist keine Heureka-Story, sondern einer Chronik über inkrementellen Fortschritt in einem #Innovationsökosystem:

Haber und sein früher Kompagnon Walther Nernst forschten zur Ammoniaksynthese. Sie suchten einen Katalysator & kopierten dafür Edisons Erfolgsrezept: Fortlaufende Experimente zur Lösungsfindung. Sie fanden sie im Metall Osmium, auch wenn sie nicht wussten warum. Bosch fühlte den Durchbruch und finanzierte weitere Projekte. Sie versammelten das größte Forscher- & Ingenieursteam der Welt. Schrittweise wurde die #Erfindung in eine #Innovation übersetzt. Problem nach Problem wurde gelöst, auch wenn dafür ihr Kollege Alwin Mittasch 20.000+ verschiedene Materiale testete & man überall nach Inspiration suchte. Auch auf fremde Pionierleistungen, wie z.B. von Rudolf Diesel oder Henry Bessemer, war man angewiesen. Schließlich konnte man Prozesse & Produktion skalieren. Heute deckt das Verfahren mehr als 99 % der weltweiten Ammoniakproduktion.

history of science
August 26, 2020

Joe DiMaggio

I always thought that there was at least one person in the stands who had never seen me play, and I didn’t want to let him down.

DiMaggios Antwort auf die Frage, wie er es schafft konsistent auf hohem Niveau zu spielen. Übung macht den Meister. Nur wer an sich selbst glaubt, Risiken eingeht, es wagt anders zu sein und sich täglich fordert, schafft es auch die schwersten Dinge einfach zu erscheinen zu lassen. Was motiviert Dich?

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August 25, 2020

Prosus

Prosus Market Cap, ychartsProsus Market Cap, ycharts

Prosus ist Latein & bedeutet geradewegs, vollständig”. Ein passender Name für Europas größten Pure-Play Internetkonzern.

Richtig gelesen: Die Investment-Plattform Prosus Group wurde 2019 von Naspers Limited gegründet. Sie versammelt alle Internet-Beteiligungen des Unternehmens. Ihre Marktkapitalisierung: €155.13 Mrd., Volkswagen AG steht nur bei €72,46 Mrd.

Das beste Pferd im Stall sind 31% Anteile an Tencent. Weiter hält Prosus 22% an Delivery Hero SE, 28% an Mail.ru Group plus Anteile von weiteren Tech-Unternehmen.

Doch warum Tencent? In den 80er Jahren pivotete die Verlagsgruppe Naspers erfolgreich Richtung Technologie-Investments. U.a. investierte man in Koos Bekker, 1997 zum CEO von Naspers ernannt, der das erste afrikanische Kabelfernsehnetz & Mobilfunknetz großzog. Zwei teure, risikoreiche Wetten, die aufgingen. Doch dann traf man einige schlechte Investitionsentscheidungen & verlor kritisches Geld in Brasilien & China. Doch Bekker wollte es ein letztes Mal wissen. In Shenzen stolperte er über Pony Ma, der 2 Mio. Nutzer für seine IM-Plattform gewinnen, aber nicht monetarisieren konnte. Bekker erkannte Potential & investierte 2001 satte $32M für 46,5%.

Eine ertragreiche Wette. Gemessen an der Marktkapitalisierung sind die Anteile an Tencent heute $207 Mrd. wert

Internetwirtschaft digital economy platform Investments digital disruption
August 24, 2020

Jeff Bezos

The central theme of innovation is a Darwinian trial and error process. And error means failure. Bezos understood this:

We need big failures in order to move the needle. If we don’t, we’re not swinging enough. You really should be swinging hard, and you will fail, but that’s okay.

Our success at Amazon is a function of how many experiments we do per year, per month, per week. Being wrong might hurt you a bit, but being slow will kill you.

If you can increase the number of experiments you try from a hundred to a thousand, you dramatically increase the number of innovations you produce.

If you think [the Fire Phone] is a big failure, we’re working on much bigger failures right now — and I am not kidding. Some of them are going to make the Fire Phone look like a tiny little blip.

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August 24, 2020

Die Laufmaschine

Velocipedes, Jardin de Luxembourg, 1818Velocipedes, Jardin de Luxembourg, 1818

An guten Erfindern mangelte es Deutschland noch nie. Einer davon war der Ur-Vater des Fahrrads: Karl Freiherr von Drais.

1818 patentierte er eine zweirädrige Laufmaschine, genannt Draisine. Sie hatte zwei Räder, einen Sitz, einen Lenker und wurde durch den Fahrer angetrieben, der sich vom Boden abstieß. Bereits 1813 hatte Drais die Idee zu einem vierrädrigen Wagen ohne Pferde”. Doch die Idee harmonierte nicht. Also baute er eine einspurige Variante. 1817 unternahm er den ersten Ausflug und legte sensationelle 14km in einer Stunde zurück.

Die Mutter der Erfindung war die Notwendigkeit. 1815 brach der indonesische Mount Tambora aus. Die Welt erlebte ein Jahr ohne Sommer. Viele Nutztiere verhungerten. Eine Alternative zum Pferd musste her.

Seine Erfindung inspirierte britische und französische Hersteller, die ihre Varianten Dandy Horse oder Vélocipède nannten. Auch sie waren ein Erfolg. Doch Regulatorik hemmte die Verbreitung. Der Grund: Wegen rauer Straßen fuhr man gern auf Bürgersteigen, was wiederum Fußgängern stark mißfiel. In der Folge geriet die Draisine in Vergessenheit. Man fokussierte sich auf drei- & vierrädrige Maschinen. Erst in den 1860er Jahren fasste man erneut den Mut, die Füße vom Boden zu nehmen und auf zwei Rädern zu balancieren.


Mashable hat eine spannende Zusammenstellung früher Fahrräder zwischen 1819 und 1935.

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